Nur wenige Wochen nach dem aus Scharfenberger Sicht erfolgreichen Wochenende in Gorzów machten sich sechs 10. Klässler erneut auf den Weg Richtung Polen. Florian zwängte mit Gepäck und Resolution in letzter Sekunde durch die gerade schließenden Zugtüren, ein Kasten Club Mate diente als zusätzlicher Sitzplatz und der Feinschliff an den Resolutionen und opening speeches konnte beginnen.
Die Wiedersehensfreude und neue Bekanntschaften wurden am Abend der Ankunft schon mal im altbekannten Swistak gefeiert, bevor am nächsten Tag die offizielle Diplomatie beginnen sollte.
In der Opening Ceremony zeigte sich sehr schnell, welche Delegationen gut vorbereitet waren, erste Konflikte deuteten sich in kleineren friedfertigen und an dieser Stelle auch noch inhaltlich fundierten Kommentaren der Delegierten an. In dieser Sitzung fielen besonders Italien und Frankreich durch eine umfassende inhaltliche Vorbereitung und die USA durch ausgefeilte rhetorische Fähigkeiten auf. Die Scharfenberger Delegationen der Länder Chile, Thailand und Russland hielten sich in keiner Weise zurück und traten von Anfang an selbstbewusst und initiativ auf, um auf diplomatischem Wege andere Länder zum Überdenken gewisser politischer Ziele zu bewegen.
In den nächsten Tagen liefen in kleinen Komitees einzelne Verhandlungen zu den beiden Themen What should be the reaction of the UN to the growing threat of using nuclear weapons by North Korea and Iran? und How to combat the problem of slavery in the world? Überraschend für alle war hierbei, dass Russland mit den USA kooperierte, weshalb sich z.B. Großbritannien prompt zurückzog und die Zusammenarbeit mit dem sonst treuen Partner USA in dieser Model UN mied. Dennoch oder vielleicht auch gerade durch die Zusammenarbeit schienen es eben die beiden Weltmächte Russland und USA zu sein, deren effektive Arbeit und Initiative die Verhandlungen zielführend vorantrieb. Teilweise zwar mit Verspätung, jedoch mit eifrigem Arbeitseinsatz konnten schließlich sinnvolle Resolutionen abgeliefert werden, über die in der General Assembly demokratisch abgestimmt wurde. Von der Demokratie halten bekanntermaßen die Chinesen nicht allzu viel, was sie unbedingt auch hier deutlich machen mussten, indem sie von ihrem Vetorecht Gebrauch machten und die Resolution gnadenlos ablehnten. Von nun an wurde viel diskutiert und mit rhetorischem Geschick versucht, die Chinesen von der Qualität der Resolutionen zu überzeugen. China gab jedoch nicht nach und die Resolution, an der lange gefeilt wurde, wurde nicht angenommen.
Während der gesamten Veranstaltung zeichneten sich die Scharfenberger Schüler besonders dadurch aus, dass sie sich an allen Diskussionen aktiv beteiligten, Initiative für ein konstruktives Arbeiten ergriffen – hierbei übernahmen einige sogar zeitweise die Rolle des chairs und leiteten die Debatten, um voranzukommen und Ergebnisse zu erzielen. Wenn es auch diesmal leider keine besonderen Auszeichnungen für Gina, Moritz, Leon, Weronika, Annabelle und Florian gab, so schienen doch sie es zu sein, die einen großen Teil zum Gelingen der Debatten beitrugen, daher also trotz ausbleibender Preise ein riesiges Lob an die Scharfenberger Delegierten!
Ich selbst erlebte zum ersten Mal eine Model UN und war sowohl vom Konzept im Allgemeinen als auch von der Veranstaltung in Gorzów im Besonderen vollends überzeugt und begeistert. Die Gastgeber ließen nichts aus, um allen Beteiligten drei tolle Tage zu bieten. Kontakte zwischen Schulen wurden geknüpft und die nächsten Model UNs bereits geplant. Ich freue mich bereits auf weitere solcher Veranstaltungen mit spannenden Themen, hitzigen Debatten, beeindruckenden Reden und motivierten Teilnehmern.
Annika Markmann